
Zweijährig, essbar, kaum Pflege: Stockrosen säen und pflegen
Wer im Sommer durch die Wachau fährt oder durch eine Kellergasse im Weinviertel spaziert, sieht sie überall: Stockrosen, die an den warmen Hausmauern in die Höhe schießen, in Rosa, Dunkelrot, Gelb und fast Schwarz. Für mich gibt es kaum eine Pflanze, die so sehr nach Sommer und Ferien schaut.
Die Stockrose, botanisch Alcea rosea, ist eine sehr alte Kulturpflanze, deren wilde Herkunft nicht restlos geklärt ist; vermutlich geht sie auf Wildmalven aus Südwestasien zurück, und in China wird sie seit Jahrhunderten in Gärten gezogen. In Österreich fühlt sie sich jedenfalls ausgesprochen wohl und breitet sich fleißig aus. Es gibt ein-, zwei- und mehrjährige Sorten. Die meisten sind zweijährig und blühen im zweiten Jahr. Weil sie sich über Seitentriebe und Samen vermehren, wirken sie im Garten trotzdem oft wie eine Staude, die einfach immer wieder da ist.
Die kräftigen Stängel werden 120 bis 200 cm hoch, die Blüten über den herzförmigen Blättern gibt es in fast allen Farben außer Blau. Mitte September hängen die Samenstände trocken an den Stängeln, und damit beginnt für mich das nächste Stockrosenjahr.
Standort: Sonne, Wärme und eine Mauer im Rücken
Stockrosen wollen einen sonnigen Platz mit lockerer, feuchter und nährstoffreicher Erde. Viel Platz brauchen sie nicht, aber Wärme. Darum stehen sie so oft an Hausmauern und Zäunen, wo die Steine tagsüber Sonne speichern und nachts abgeben. In den Alpentälern, wo die Nächte auch im Sommer kühl werden, ist eine Südmauer für Stockrosen fast Pflicht. Im warmen, trockenen Osten geht es auch mitten im Beet.
Die Pflanze bildet eine lange, kräftige Pfahlwurzel, die Wasser und Nährstoffe aus der Tiefe holt. Das macht sie so genügsam, hat aber eine Kehrseite: Stockrosen lassen sich später kaum noch umsetzen. Wähle den Platz also mit Bedacht.
Aussaat: jetzt im Herbst oder im März
Jede Stockrose bringt viele Samen, die rund um August und September trocken und reif sind. Du kannst sie sofort im Herbst aussäen oder bis zum nächsten Frühjahr aufheben. Ich mache beides: Ein Teil kommt jetzt direkt ins Beet, ein Teil in ein Papiersackerl für den März. So bin ich auf beiden Wegen abgesichert, falls der Winter heuer wieder streng wird.
Die Frühjahrsaussaat läuft so: Samen ab März in Anzuchterde säen und hell bei Zimmertemperatur aufstellen, bis sie keimen. Die kleinen Pflanzen in größere Töpfe umtopfen und nach den Eisheiligen, wenn die Frostgefahr vorbei ist, an einen sonnigen Platz im Garten setzen. Stockrosen blühen meist erst im Jahr nach der Aussaat, also im zweiten Jahr. Wer früh sät, hat aber manchmal Glück und bekommt schon im ersten Sommer Blüten.
Eines solltest du wissen: Aus Samen sind Stockrosen nicht farbecht. Hummeln bestäuben die Blüten untereinander, und so kann aus den Samen einer rosa Stockrose durchaus eine dunkelrote werden. Für mich ist das eine der schönsten Überraschungen im Garten. Wer die Farbe sicher haben will, kauft wurzelnackte Pflanzen.
Wurzelnackte Stockrosen pflanzen
Wurzelnackte Stockrosen werden im Frühjahr gesetzt, so bald wie möglich nach dem Erhalt, damit die Wurzel nicht austrocknet. Frost darf aber keiner mehr sein. So geht es Schritt für Schritt:
- Grabe ein Loch, das so tief ist, dass die Wurzel 10 cm unter die Erdoberfläche kommt.
- Lege die Wurzel hinein.
- Fülle das Loch zur Hälfte mit Erde.
- Gieße und lass das Wasser einsickern.
- Fülle mit Erde auf und drücke gut an.
- Gieße noch einmal und fülle Erde nach, falls sie abgesackt ist.
Frederikkes Tipp
Lass im Herbst ein paar Samenstände an den schönsten Pflanzen stehen und schüttle sie erst im Oktober über den Stellen aus, wo du nächstes Jahr Stockrosen haben willst. Die Sämlinge, die dort von selbst aufgehen, sind bei mir jedes Jahr kräftiger als alles, was ich im Haus vorziehe.
Pflege: so gut wie keine
Stockrosen sind ausgesprochen genügsam. Neue Pflanzen gießt du am Anfang regelmäßig, bis die Pfahlwurzel Fuß gefasst hat. Danach holt sich die Pflanze Feuchtigkeit und Nahrung selbst aus der Tiefe. Ein wenig Dünger oder Kompost im Frühjahr ist ein Extra, aber kein Muss.
Die hohen Stängel sind empfindlich gegen Wind und Wetter und sollten angebunden werden, damit sie nicht knicken oder umfallen. In den Alpentälern mit ihren Sommergewittern ist das kein Luxus. Eine Alternative für windige Lagen: Kürze die Triebe um etwa ein Drittel, sobald die Pflanze gut einen Meter erreicht hat. Sie bleibt dann niedriger und gedrungener und steht von selbst stabiler. Die Blüte kommt ein wenig später, dafür knickt weniger ab. Weiter zurück würde ich nicht gehen, sonst nimmst du der Pflanze zu viel auf einmal.
Die Blüte dauert von Juli bis Oktober. Bei zwei- und mehrjährigen Sorten entfernst du Verblühtes und schneidest den kräftigen Stängel zurück, kurz bevor die letzte Blüte welkt. Die Pflanze reagiert darauf mit neuen Blüten und Samen, weil sie ihr Überleben sichern will. Das verlängert ihre Lebensdauer und bremst gleichzeitig die Selbstaussaat.
Malvenrost: die typische Krankheit
Halte ein Auge auf Malvenrost. Der Pilz befällt Stockrosen vor allem dann, wenn sie in einem trockenen, heißen Sommer zu wenig Wasser bekommen. Du erkennst ihn an gelben Punkten auf den Blättern, die dann welken, und an rotbraunen Wunden an den eintrocknenden Stängeln.
Ist der Rost da, bleibt nur, die Ausbreitung zu bremsen: Blätter mit gelb-orangen Punkten abzupfen und entsorgen. Nicht auf den Kompost, dort verteilt sich der Pilz auf andere Pflanzen. Im September und Oktober mache ich deshalb einen Rundgang und räume alle befallenen Blätter weg, bevor der Winter kommt.
Überwinterung in Österreich
Stockrosen sind winterhart und brauchen keinen besonderen Schutz. Die Blattrosette am Boden bleibt über den Winter grün und treibt im Frühjahr wieder durch, darum lasse ich sie unangetastet. Die abgeblühten Stängel schneide ich im Herbst bodennah ab, nachdem ich die Samen geerntet habe. In Höhenlagen, wo der Schnee lange liegt, ist die Schneedecke selbst der beste Winterschutz. Wo es kalt und schneefrei bleibt, lege ich ein bisserl Reisig über die Rosette, mehr nicht.
Vermehrung und der Topf
Wegen der tiefen Pfahlwurzel lassen sich Stockrosen kaum umsetzen. Dafür vermehren sie sich über Seitentriebe und Samen ganz von selbst. Lass die Seitentriebe stehen und säe die neuen Samen aus, entweder gleich im Herbst oder im nächsten Frühjahr. So hast du über viele Jahre Stockrosen im Garten, auch wenn die einzelne Pflanze nur ein bis drei Jahre lebt.
Im Topf sind Stockrosen schwierig. Die Pfahlwurzel und die Höhe sprechen dagegen, auch wenn es Sorten mit kompakteren Wurzeln gibt, die in großen Kübeln zurechtkommen. Ich pflanze sie lieber an Mauern und Zäunen, wo sie hingehören.
Stockrosen sind essbar
Die Blüten schmecken nach wenig, sind aber essbar und machen sich hübsch auf Torten und im Salat. Junge Blätter und die Wurzel lassen sich zu Tee verarbeiten, und die dunklen Blüten wurden früher zum Färben von Stoff verwendet.
Die Nachbarn für die Hausmauer
Stockrosensamen sind bei uns heuer ausverkauft. Wer das Bauerngartenbeet trotzdem jetzt schon fürs nächste Jahr plant, findet im Samensortiment die passenden Nachbarn: Diese drei stehen an der Hausmauer neben Stockrosen wie gemalt.
Blaue Kornblume
Die Sorte 'Victoria' mit leuchtend blauen, margeritenähnlichen Blüten, wie sie in jeden traditionellen Bauerngarten gehören. Sie ist winterhart, einjährig und eine hervorragende Schnittblume, und die Blüten ziehen Bestäuber an.
☀️ volle Sonne
Klatschmohn 'Pandora'
Ein außergewöhnlicher Klatschmohn, dessen Blüten von tiefem Bordeauxrot ins Rosarot wechseln, viele mit silbergrauen Streifen auf den unteren Kronblättern. Am schönsten wird er bei Direktsaat in natürlichen Gruppen, umpflanzen mag er nämlich gar nicht.
☀️ volle Sonne
Ringelblume 'Orange Flash'
Geschichtete, weiche orangefarbene Blütenblätter mit einem Hauch Pfirsich, die Beeten und Kübeln ein warmes Leuchten geben. Die Blütenblätter sind essbar und machen sich im Salat genauso gut wie in der Vase.
🌷 Frühjahr bis Herbst · ☀️ volle Sonne
Und wenn du im Oktober an einer alten Mauer vorbeikommst, an der Stockrosen ihre Samen fallen lassen: Ein paar davon im Sackerl mitzunehmen ist die älteste Art, wie diese Pflanze von Garten zu Garten gewandert ist.
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