
Dünger selber machen: 7 natürliche Rezepte für Garten und Balkon
Bei uns steht neben dem Herd ein kleines Sackerl, in dem den ganzen Tag Kaffeesatz, Eierschalen und Bananenschalen landen. Nicht für den Biomüll, sondern für den Garten. Seit ich damit angefangen habe, kaufe ich kaum noch Dünger, und meine Paradeiser tragen trotzdem bis zum ersten Frost.
Pflanzen brauchen neben Sonne und Wasser Nährstoffe, um groß und kräftig zu werden. Einen Teil holen sie sich aus dem Boden, aber über die Saison lohnt es sich, nachzulegen. Im Handel gibt es dafür organische und mineralische Dünger in allen Varianten. Das meiste davon kannst du dir sparen, denn die besten Zutaten liegen ohnehin in deiner Küche. Hier sind meine sieben Rezepte, alle ohne Chemie und ohne Einkauf.
1. Bananenschalen: Kalium für Wurzeln und Blüten
Bananenschalen enthalten viel Kalium, Phosphor und Kalzium, also genau das, was Wurzeln und Wachstum stärkt. Schneide die Schalen in kleine Stücke, gib sie in ein Glas mit Wasser und stelle es für ein paar Tage in den Kühlschrank. Den Sud verwendest du dann im Verhältnis 1:1 mit Wasser verdünnt zum Gießen, also zum Beispiel einen halben Liter Sud auf einen halben Liter Wasser.
Wer es sich einfacher machen will, gräbt die Schalenstücke direkt neben der Pflanze in die Erde. Bei meinen Rosen mache ich das seit Jahren so.
2. Kaffeesatz: Stickstoff fürs Grün
Kaffeesatz liefert Stickstoff, und Stickstoff macht Pflanzen größer und grüner. Du streust ihn einfach rund um die Pflanzen auf die Erde, nass oder getrocknet, beides geht. Bei sehr kleinen oder jungen Pflanzen mischst du den Kaffeesatz vorher mit ein wenig Erde, bevor du ihn verteilst.
Als Bonus hält ein Ring aus Kaffeesatz Schnecken auf Distanz, und auch dem Rasen tut er gut. Bei uns kommt der Kaffeesatz von zwei Häferln am Tag zusammen, und das reicht locker für das Staudenbeet.
3. Eierschalen: Kalk für den Boden
Eierschalen bestehen im Wesentlichen aus Kalk, den die meisten Pflanzen brauchen. Ausnahme sind Moorbeetpflanzen wie Rhododendron, die einen sauren Boden wollen. Spüle die Schalen ab und zerkleinere sie ganz fein, bevor du sie um die Pflanzen streust. Je feiner, desto schneller wirkt es.
Im Gemüsegarten streue ich schon beim Auspflanzen eine Handvoll ins Pflanzloch der Paradeiser. Gegen die Blütenendfäule, diese schwarzen, eingesunkenen Flecken am Fruchtende, fehlt der Pflanze Kalzium; Eierschalen zersetzen sich allerdings langsam und wirken darum eher vorbeugend über die Jahre als akut. Wichtiger ist in dem Fall gleichmäßiges Gießen, denn ohne stetige Wasserversorgung kommt der Kalk gar nicht erst in die Frucht.
Frederikkes Tipp
Verlass dich nicht auf ein einziges Rezept. Kaffeesatz bringt Stickstoff, Bananenschalen Kalium, Eierschalen Kalk. Erst die Mischung deckt alles ab, was die Pflanze braucht. Ich wechsle deshalb ab: eine Woche Bananensud, die nächste Kaffeesatz, dazwischen Kartoffelwasser.
4. Kartoffelwasser: Mineralien aus dem Kochtopf
Das Wasser von gekochten Erdäpfeln enthält Vitamine und Mineralstoffe, die den Pflanzen guttun. Koche die Erdäpfel am besten mit Schale und salze das Wasser nur wenig, denn nicht alle Pflanzen vertragen viel Salz. Lass das Wasser vollständig abkühlen und gieße damit. Ein paar Schalenreste darin stören nicht.
5. Teeblätter: Gerbstoffe und Stickstoff
Teebeutel enthalten Tannin und Stickstoff, beides stärkt das Wachstum. Nach dem Aufbrühen öffnest du die Beutel und streust die Teeblätter um die Pflanzen. Oder du lässt gebrauchte Beutel noch einmal in Wasser ziehen und gießt mit dem Teewasser. Bei uns landet der Schwarztee vom Frühstück so bei den Hortensien.
6. Gründüngung mit Lupinen: der Dünger, der von selbst wächst
Das sechste Rezept braucht keine Küche, sondern ein Beet. Lupinen gehören zur Familie der Hülsenfrüchtler. Die Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln holen Stickstoff aus der Luft und bringen ihn in den Boden, gleichzeitig lockert die tiefe Pfahlwurzel verdichtete Erde. Genau deshalb wird die Gelbe Lupine in der Landwirtschaft als Gründüngung eingesetzt.
Im Garten funktioniert das auch mit der Staudenlupine. Sie will mageren, gut durchlässigen Boden, braucht selbst keinen Dünger und hinterlässt einen besseren Boden, als sie vorgefunden hat. Die Samen werden im Herbst ausgesät, also genau jetzt.
Lupine 'Avalune Red-White'
Eine kompakte, einjährige Lupine mit kurzen, zweifarbigen Blütenkerzen in Kirschrot und Weiß. Sie blüht rasch, etwa elf bis zwölf Wochen nach der Aussaat, und gehört wie alle Lupinen zu den Hülsenfrüchtlern.
🌷 rund 11 bis 12 Wochen nach der Aussaat · ☀️ volle Sonne
7. Zuckerwasser: Futter für den Boden
Das siebte Rezept ist eher ein Bodenverbesserer als ein Dünger. Zucker düngt nicht selbst, aber es heißt, dass er den Mikroorganismen im Boden guttut. Ein wenig Zuckerwasser ab und zu fördert so ein lebendiges, nährstoffreiches Erdreich, in dem die anderen Rezepte besser wirken. Ich nehme dafür das Wasser, mit dem ich das leere Marillenmarmelade-Glas ausspüle.
Wie oft düngen?
Am besten fängst du im Frühjahr an und düngst den Boden, bevor du pflanzt. Dann steckt schon reichlich Nahrung darin, wenn die Pflanzen loslegen. Viele Pflanzen, etwa Gemüse, Beerensträucher und Sommerblumen, freuen sich über mehrere Gaben im Laufe der Saison, weil Blüten und Früchte viel Kraft kosten. Als Faustregel kannst du einmal in der Woche düngen, besonders bei schnell wachsenden Pflanzen wie Paradeisern.
Beobachte deine Pflanzen. Wenn sie weniger tragen oder gelbe Blätter bekommen, fehlt oft Nahrung.
Und jetzt im September?
Mitte September füttere ich nur noch, was noch trägt und blüht: die Paradeiser und Chili im Glashaus, die Balkonkisterl, die Zinnien und Dahlien im Schnittblumenbeet. Stauden, Rosen und Sträucher bekommen ab jetzt nichts mehr. Sie sollen ihre Triebe vor dem ersten Frost ausreifen lassen, und Stickstoff würde sie nur zu neuem, weichem Wachstum verleiten.
Das Sammeln geht trotzdem weiter. Getrockneter Kaffeesatz und Eierschalen halten sich den ganzen Winter, und im März, wenn die Beete vorbereitet werden, ist der Vorrat Gold wert. Wer die Herbstsaison noch nutzen will, sät jetzt Winterspinat; im Samensortiment liegt außerdem alles für den Start ins nächste Gartenjahr bereit.
Spinat 'Winter Giant' (BIO-Samen)
Eine winterharte Sorte mit großen, dunkelgrünen Blättern und guter Kältetoleranz, gezüchtet für die Ernte im Herbst und Winter. Sie wächst kräftig nach, sodass über Wochen immer wieder zarte Blätter für Salat und Küche dazukommen.
☀️ volle Sonne bis Halbschatten
Dünger selber machen ist keine Wissenschaft. Es ist eher eine Gewohnheit: das Sackerl neben dem Herd, der Griff zur Kaffeekanne, der Blick auf die Pflanzen. Nach einer Saison willst du es nicht mehr anders haben.
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