
Lupinen: kein Dünger, kaum Wasser, und der Boden wird besser
Im Juni leuchtet das Mühlviertel blau. An den Straßenrändern und auf den Böschungen stehen Lupinen in dichten Beständen, so selbstverständlich, als wären sie schon immer da gewesen. Sind sie nicht. Lupinen stammen aus Nordamerika, nur ganz wenige Arten kommen aus Europa. Die, die du überall siehst, ist die Vielblättrige Lupine, Lupinus polyphyllus, auch Staudenlupine genannt.
Im Garten ist sie eine der dankbarsten Stauden, die ich kenne: hohe, farbige Blütenkerzen, kein Dünger, kaum Wasser, und ein Boden, der nach ein paar Jahren besser ist als vorher. Sie gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler, wird zwischen einem halben und eineinhalb Metern hoch, und ihre tiefen Wurzeln lockern verdichtete Erde und bringen Stickstoff hinein.
Zwei Dinge musst du wissen, bevor du loslegst. Erstens: Die ganze Pflanze ist giftig. Zweitens: Sie setzt nach der Blüte sehr viele Samen an und breitet sich in der freien Natur stark aus, weshalb sie als invasiv eingestuft ist. In einem normalen Garten mit etwas Abstand zur Wildnis ist das kein Problem. Gesät wird die Lupine im Herbst, du bist also gerade richtig dran.
Standort: Sonne und magerer Boden
Lupinen wollen volle Sonne, kommen aber auch mit Halbschatten zurecht. Im tiefen Schatten werden sie lang und dünn und blühen kaum. Der Boden soll vor allem gut durchlässig sein und nicht zu lehmig. Nährstoffarme Erde stört sie nicht, im Gegenteil: Die Lupine ist eine der wenigen Stauden, die magere, leicht sandige Erde einer fetten Humuserde vorzieht. Darum wächst sie an Stellen, an denen vieles andere nicht will.
Schwerer, staunasser Lehmboden ist der häufigste Grund, warum Lupinen über den Winter eingehen. Wer im Alpenvorland oder im Weinviertel auf schwerem Boden gärtnert, arbeitet vor dem Pflanzen Sand oder Splitt ein. Gib den Pflanzen außerdem Platz. Die kräftigen Wurzeln brauchen Raum und können kleinere Nachbarn verdrängen. Ein eigenes Lupinenbeet ist keine schlechte Idee. Ein wenig Windschutz hilft, damit die hohen Stängel nicht knicken.
Aussaat im Herbst
Lupinensamen säst du im Herbst. Damit sie williger keimen, ritzt du die harte Samenschale vorher leicht an oder weichst die Samen einen Tag lang in Wasser ein. Säe direkt an den Platz, an dem die Lupinen stehen sollen, oder in Töpfe, die du später als Ganzes auspflanzt. Die Pfahlwurzel mag nämlich nicht verpflanzt werden. Aus Samen gezogene Lupinen blühen meist erst im zweiten Jahr.
Bei uns gibt es dafür die Lupine 'Avalune Red-White', eine zweifarbige Sorte in Rot und Weiß.
Lupine 'Avalune Red-White'
Kurze, zweifarbige Kerzen in Kirschrot und Weiß auf einer kompakten, einjährigen Pflanze, die schon rund elf bis zwölf Wochen nach der Aussaat blüht. Schneide sie regelmäßig zurück, dann kommen neue Triebe nach; getrocknet behält die Blüte ihre Farbe erstaunlich gut.
🌷 rund 11 bis 12 Wochen nach der Aussaat · ☀️ volle Sonne
Wurzelnackte Lupinen pflanzen
Wer nicht warten will, kauft wurzelnackte Pflanzen. Sie können das ganze Jahr über gesetzt werden, solange der Boden nicht gefroren ist, am besten aber im Herbst oder Frühjahr, wenn die Erde feucht und warm ist. Pflanze sie so rasch wie möglich, damit die Wurzeln nicht austrocknen.
- Grabe ein Loch, das tief genug ist, damit die Wurzeln gerade stehen, ohne sich zu biegen.
- Lockere die Erde am Boden des Lochs, damit die Wurzeln leicht Fuß fassen. Bei lehmiger Erde etwas Sand untermischen.
- Setze die Lupine so, dass der Wurzelhals auf Höhe der Erdoberfläche liegt, fülle mit Erde auf und drücke leicht an.
- Gründlich gießen, vor allem bei Pflanzung im Sommer, und in den ersten Wochen gleichmäßig feucht halten.
Mehrere Pflanzen setzt du mit 40 bis 50 cm Abstand, dann bilden sie eine dichte Gruppe.
Frederikkes Tipp
Schneide die erste Blütenkerze ab, sobald sie verblüht ist, bevor die Pflanze Samen ansetzen kann. Dann steckt die Lupine ihre Kraft in neue Seitentriebe und belohnt dich oft mit einer zweiten, etwas kleineren Blüte im Spätsommer.
Pflege: Wasser, Dünger, Stütze
Lupinen brauchen so gut wie keine Pflege. Die tiefe Pfahlwurzel der Staudenlupine holt sich das Wasser selbst aus dem Boden, eingewachsene Pflanzen musst du deshalb nur in einem sehr heißen, trockenen Sommer gießen. Frisch gesetzte Exemplare gießt du in der ersten Saison regelmäßig.
Dünger brauchen sie nicht. Die Knöllchenbakterien an den Wurzeln holen Stickstoff aus der Luft, und mehr als ein wenig Kompost im Frühjahr wäre kontraproduktiv: Zu viel Nahrung gibt üppiges Laub auf Kosten der Blüten. Hohe Sorten an windigen Stellen bekommen einen unauffälligen Stab, damit die Kerze im Sommergewitter nicht knickt.
Die meisten Sorten sind winterhart und brauchen keine Abdeckung. An einem sehr exponierten Platz, etwa in Höhenlagen ohne verlässliche Schneedecke, kannst du ein wenig Reisig, Stroh oder Laub darüberlegen.
Blüte verlängern
Lupinen blühen von Juni bis August. Das Geheimnis einer langen Saison heißt Ausputzen: Wenn die Hauptkerze verblasst und in Samen geht, schneidest du sie unterhalb der verblühten Blüten ab. Die Pflanze nimmt das als Signal weiterzumachen und schickt frische Seitenkerzen nach, oft mit einer Nachblüte im September. Lässt du die Samen reifen, ist die Blüte rasch vorbei.
- Verblühte Kerzen im Juni und Juli laufend abschneiden.
- Gegen Ende der Saison ein paar Kerzen stehen lassen, wenn sich die Lupinen selbst aussäen sollen.
- Die ganze Pflanze bodennah zurückschneiden, wenn die Blätter im Herbst gelb werden.
Wer keine neuen Lupinen im Garten will, schneidet die Samenstände ab und entsorgt sie. Sonst sät sich die Pflanze kräftig aus.
Lupinen im Topf
Im Topf funktioniert die Lupine, wenn der Topf groß genug für die kräftigen Wurzeln ist. Ich empfehle einen Durchmesser von mindestens 45 cm. Kleinere Töpfe trocknen zu schnell aus und lassen der Pfahlwurzel keinen Raum.
Sorten und Arten
Botanisch gibt es mehrere Lupinenarten:
- Staudenlupine (Lupinus polyphyllus): mehrjährig, viele Farben, die häufigste in Natur und Garten.
- Baumlupine (Lupinus arboreus): immergrüner Strauch mit blauen bis violetten Blüten.
- Gelbe Lupine (Lupinus luteus): einjährig, in der Landwirtschaft als Gründüngung genutzt.
- Regenbogenlupine (Lupinus × regalis): eine Kreuzung aus Baum- und Staudenlupine, nicht invasiv.
- Schmalblättrige Lupine (Lupinus angustifolius): einjährig, blaue Blüten.
- Weiße Lupine (Lupinus albus): meist Futterpflanze, die Samen sind gekocht auch für Menschen essbar. Sie ist die eine Art, die anders als die übrigen nicht als giftig gilt.
Bei den Gartensorten geht es vor allem um die Farbe. 'Chandelier' leuchtet in einem hellen Gelb, die West-Country-Sorte 'Towering Inferno' flammt in Rot, Orange und Gelb. Aus Samen gezogene Nachkommen haben allerdings nicht immer die Farbe der Mutterpflanze. Wer eine bestimmte Farbe erhalten will, vermehrt über Stecklinge. Teilen geht wegen der tiefen Wurzel schlecht.

Probleme: Lupinenblattlaus und Mehltau
Lupinen sind robust, aber zwei Dinge solltest du im Blick behalten. Die Lupinenblattlaus ist groß und gräulich und sitzt gern dicht an dicht an Stängel und Kerze. Spritze sie mit einem harten Wasserstrahl ab, sobald du sie siehst, oder streife sie mit den Fingern ab. Sonst schwächt sie die Blüte. Mehltau zeigt sich als weißgrauer, mehliger Belag auf den Blättern bei trockenem, warmem Wetter. Luftiger Abstand zwischen den Pflanzen und Gießen an der Wurzel statt über die Blätter halten den Pilz fern.
Wer die Pflanze nach der Blüte zurückschneidet, hat am frischen Austrieb meist weder Läuse noch Mehltau.
Mit einem sonnigen Platz, magerem Boden und ein wenig Ausputzen schenken dir Lupinen Jahr für Jahr die schönsten Farbkerzen des Frühsommers. Die Samen für den Anfang findest du im Samensortiment, und wer jetzt sät, hat den ersten Schritt schon gemacht.
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