
Zierlauch setzen: dreimal so tief, wie die Zwiebel lang ist
Es gibt einen Moment Ende Mai, in dem jeder Besucher vor meinem Beet stehen bleibt. Über den Stauden schweben violette Kugeln, groß wie Kinderfäuste, auf Stielen, die aussehen, als könnten sie das Gewicht unmöglich tragen. Zierlauch. Und dazwischen ein Gebrumm, als hätte jemand einen Bienenstock geöffnet.
Die Gattung Allium ist riesig, über 700 Arten, und einige davon kennst du aus der Küche: Schnittlauch, Porree, Frühlingszwiebeln, Knoblauch. Die Zierformen unterscheiden sich vor allem durch den Blütenstand, eine dichte Kugel aus Dutzenden kleiner Sterne, in Violett, Weiß oder Blau. Die Blüten sind essbar und machen sich auf einem Salat großartig.
Die Zwiebeln gehören Ende September in die Erde. Wer heuer setzt, hat im Mai die Kugeln; wer erst im Frühjahr daran denkt, wartet ein ganzes Jahr länger.
Standort und Boden: Zierlauch mag es kalkig
Zierlauch will Sonne, kommt aber auch mit Halbschatten zurecht. Der Boden soll nährstoffreich, kalkhaltig und vor allem durchlässig sein. Wie alle Zwiebelblumen ist Allium empfindlich gegen Nässe: Steht die Zwiebel den Winter über im Wasser, fault sie. Wer in Österreich auf Kalk gärtnert, im Wienerwald, im Alpenvorland oder rund um die Kalkalpen, hat den idealen Boden schon geschenkt bekommen. Auf den sauren Granitböden des Wald- und Mühlviertels hilft eine Handvoll Gartenkalk im Pflanzloch.
Passt der Standort, brauchst du danach weder zu gießen noch zu düngen. Zierlauch ist außerdem eine der gesündesten Pflanzen, die ich kenne. Krankheiten und Schädlinge sind selten, vermutlich wegen des Zwiebelgeruchs, und auch Schnecken lassen ihn meist in Ruhe.
Pflanzzeit: September bis zum ersten Bodenfrost
Wie bei den meisten Blumenzwiebeln ist der frühe Herbst die beste Zeit, September und Oktober, solange die Erde noch warm vom Sommer ist. So können die Zwiebeln Wurzeln bilden, bevor der Frost kommt. Im Osten, im Wiener Becken oder im Burgenland, geht das oft bis weit in den November. In den Alpentälern und im Waldviertel, wo der Boden früh zufriert, würde ich nicht über den Oktober hinaus warten. Blumenzwiebeln führen wir in Österreich selbst nicht, aber die Zierlauchzwiebeln liegen in diesen Wochen überall aus, und beim Kauf zählt vor allem eines: eine feste, trockene Zwiebel ohne weiche Stellen und ohne Schimmel am Boden.
Ob Beet oder Topf, das Vorgehen ist dasselbe:
- Grabe ein Pflanzloch, das etwa dreimal so tief ist, wie die Zwiebel lang ist.
- Bei schwerem, lehmigem Boden gib eine Schicht Kies oder Blähton als Drainage auf den Grund.
- Lege die Zwiebel mit der Spitze nach oben hinein.
- Erde darüber und mit der flachen Hand andrücken.
- Angießen und nachfüllen, sobald die Erde absackt.
Zierlauch wirkt am besten in Gruppen, aber gib den Zwiebeln etwa 15 cm Abstand, damit sie Platz haben. Die Blüte kommt je nach Sorte zwischen Mai und Juli.
Das Problem mit dem Laub, und wie du es versteckst
Eines muss man über Allium wissen: Die Blätter vergilben früh, oft schon während der Blüte. Das ist normal und kein Zeichen von Krankheit, sieht aber nicht schön aus. Deshalb setze ich Zierlauch nie allein, sondern immer zwischen andere Frühlingsblüher oder bodendeckende Stauden, die das Laub verdecken: Storchschnabel, Frauenmantel, Katzenminze.
Meine liebste Lösung ist aber die Kornblume. Im Herbst ausgesät, ist sie ab Ende Mai so weit und überschneidet sich mit den meisten Alliumsorten, das Blau und das Violett passen wunderbar zusammen, und die feinen Kornblumenstängel kaschieren die gelben Alliumblätter darunter. Ein Sackerl reicht für ein ganzes Beet.
Blaue Kornblume
'Victoria' bringt das kräftige, klassische Kornblumenblau ins Beet, mit margeritenähnlichen Blüten auf winterharten, einjährigen Pflanzen. Sie zieht Bestäuber an und ist gleichzeitig eine der unkompliziertesten Schnittblumen überhaupt.
☀️ volle Sonne
Die zweite Kombination, die bei mir jedes Jahr aufgeht, sind Rosen. Der Zierlauch blüht, bevor die Rosen richtig loslegen, und wenn das Alliumlaub vergilbt, ist der Rosenstrauch längst dicht genug, um es zu verdecken. Wurzelnackte Rosen kommen im Herbst in die Erde, also ungefähr zur selben Zeit wie die Zwiebeln, und je flacher und breiter die Rose wächst, desto besser deckt sie.
Rose 'The Fairy'
Eine bodendeckende Rose mit kleinen, gefüllten Pomponblüten in großen Dolden, die den ganzen Sommer bis weit in den Herbst hinein immer neue Knospen nachschiebt. Sie wird breiter als hoch und legt sich dadurch wie eine Decke über die absterbenden Alliumblätter.
📏 etwa 60–80 cm hoch, 80–100 cm breit · 🌷 Sommer bis weit in den Herbst · ☀️ Vordergrund und Bodendecker
Rose 'Amirose'
Eine gesunde, kompakte Strauchrose mit vielen kleinen, halbgefüllten Blüten in frischem Pink bis Rosarot mit hellerer Mitte. Sie blüht nahezu ununterbrochen vom Sommer bis in den Herbst und ist ausdrücklich für Randbepflanzungen gedacht, also für genau die Beetkante, an der der Zierlauch steht.
🌷 Sommer bis Herbst · ☀️ Sonne bis leichter Halbschatten
Frederikkes Tipp
Schneide nach der Blüte nur den Blütenkopf ab, nicht den Stiel. Der darf stehen bleiben, bis er von selbst welk wird, denn über ihn zieht die Zwiebel die Kraft für das nächste Jahr ein. Und wenn du die Köpfe stehen lässt, trocknen sie zu wunderbaren Kugelgerippen, die ich bis in den Winter im Beet lasse.
Pflege: so gut wie keine
Ist ein Frühjahr sehr trocken und warm, wie zuletzt öfter, freut sich der Zierlauch über einen Guss. Sonst braucht er weder Wasser noch Dünger. Die meisten Sorten sind winterhart und bleiben im Boden; ausgraben und einlagern wie bei Dahlien entfällt.
Vermehren: Brutzwiebeln und Samen
Allium vermehrt sich auf zwei Wegen, über Brutzwiebeln und über Samen. Die Samen kannst du sammeln und aussäen, aber rechne mit mehreren Jahren, bis daraus blühende Pflanzen werden. Lässt du die Köpfe stehen, sät sich der Zierlauch von selbst aus.
Deutlich schneller geht es mit den Brutzwiebeln, die sich neben der Mutterzwiebel bilden. Grabe die Horste im Herbst aus, wenn das Laub eingezogen ist, löse die kleinen Zwiebeln vorsichtig ab und setze alte und junge Zwiebeln sofort wieder. Ganz kleine Brutzwiebeln brauchen ein paar Jahre, bis sie blühen; eine Prise Dünger im Pflanzloch gibt ihnen einen Start.
Sorten, die sich bewährt haben
'Purple Sensation' ist der Klassiker: kräftig violett, früh und zuverlässig. 'Globemaster' bildet die größten Kugeln, die ich kenne, dicht und lange haltbar. 'Mount Everest' blüht in reinem Weiß und leuchtet abends aus dem Beet. Allium christophii, der Sternkugellauch, hat lockere, silbrig-violette Kugeln, die auch getrocknet großartig sind. Allium sphaerocephalon, der Kugellauch, kommt später im Sommer, klein und dunkelweinrot, und passt zwischen Gräser. Wer es bunt mag, setzt von jedem ein paar.
Zierlauch in der Vase
Allium hält lange in der Vase und lässt sich hervorragend trocknen. Nur eines: Er riecht deutlich nach Zwiebel. Wechsle das Wasser täglich, dann bleibt es erträglich, und zum Trocknen hängst du die Köpfe an einem luftigen Platz auf.
Arten oder Hybriden: was du davon hast
Vor dem Kauf lohnt sich eine Entscheidung. Die großen Hybriden liefern die spektakulären Kugeln, werden bei mir aber ab dem dritten, vierten Jahr merklich kleiner: Die Zwiebel steckt ihre Kraft dann in Brutzwiebeln statt in eine einzige große Blüte. Die botanischen Arten machen es umgekehrt. Allium christophii und der Kugellauch verwildern, säen sich aus und stehen nach ein paar Jahren in doppelter Zahl da.
Wer einmal setzen und danach in Ruhe gelassen werden will, nimmt also die Arten. Wer jedes Jahr die riesigen Kugeln von 'Globemaster' sehen will, rechnet damit, hin und wieder nachzulegen. Ich mache beides: die Arten als Grundgerüst, dazu jeden Herbst eine Handvoll 'Purple Sensation' an wechselnden Stellen, damit das Beet nicht immer gleich aussieht.
Es gibt wenige Pflanzen, bei denen so wenig Arbeit so viel Wirkung bringt. Ein Nachmittag mit dem Pflanzspaten im September, und acht Monate später stehen die Kugeln da, als hätte jemand das Beet dekoriert. Die Bienen wissen es vor dir.
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