Rose 'New Dawn' mit perlrosa halbgefüllten Blüten an einer Mauer
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"Sie kam im Karton und sah aus wie Brennholz. Heute deckt sie die Mauer."

Frederikke Jensen
Geschrieben von Frederikke Jensen - 04-09-2026

Der Karton stand an einem Dienstag Ende Oktober vor der Tür, flach, leicht, mit einer Delle an der Ecke. Ich habe ihn in der Küche aufgemacht, und drinnen lag etwas, das ich meiner Nachbarin nicht gezeigt hätte: drei braune Stöcke, dornig, unten ein Knäuel Wurzeln, eingeschlagen in feuchtes Papier. Es sah aus wie Brennholz. Heute wächst genau dieses Brennholz über die ganze Südmauer des Schuppens.

Ich erzähle das, weil ich weiß, wie sich der Moment anfühlt. Man hat wochenlang überlegt, welche Rose an die Mauer soll, man hat sie bestellt, man hat sich gefreut, und dann kommt ein Bündel Stecken. Der erste Impuls ist: Da ist etwas schiefgelaufen. Es ist nichts schiefgelaufen. Eine wurzelnackte Rose im Herbst sieht genau so aus, und sie sieht so aus, weil sie schläft.

Was in den drei Jahren danach passiert ist, und was ich beim nächsten Mal anders machen würde, steht hier der Reihe nach.

Was da im Karton lag

Eine wurzelnackte Rose ist eine Rose in Winterruhe. Sie ist am Feld gewachsen, hat im Herbst ihr Laub abgeworfen und wurde dann gerodet, ohne Topf, ohne Erde. In diesem Zustand kostet sie der Umzug fast keine Kraft. Sie merkt kaum, dass sie den Standort gewechselt hat, und genau deshalb wächst sie im Frühjahr so entschlossen los.

Meine hatte drei kräftige Triebe, alle etwa armlang, und Wurzeln, die deutlich mehr Volumen hatten als der Teil über der Erde. Das ist die richtige Verteilung. Ich habe die Wurzeln über Nacht in einen Kübel Wasser gestellt, weil ich am nächsten Vormittag Zeit hatte, und ein paar gebrochene Wurzelenden sauber abgeschnitten. Mehr Vorbereitung war nicht nötig.

Das Loch, das ich fast zu nah an die Mauer gegraben hätte

Mein einziger echter Fehler wäre beinahe passiert: Ich hatte den Spaten direkt an der Mauer angesetzt. Unmittelbar an einer Hauswand ist der Boden trocken, weil das Dach den Regen wegführt, und er ist oft voller Bauschutt. Eine Rose, die dort sitzt, kämpft jahrelang gegen den Durst und nicht gegen die Höhe. Ich habe das Loch also ein gutes Stück von der Mauer weggerückt, eine Armlänge etwa, und die Rose leicht schräg zur Wand hin eingesetzt, damit die Triebe von selbst in die richtige Richtung zeigen.

Der Aushub war schwerer Lehm, wie er im Weinviertel oft vorkommt. Ich habe Kompost und etwas Sand untergemischt, damit die Wurzeln nicht in einer harten Wanne stehen, die Veredelungsstelle deutlich unter die Erdoberfläche gesetzt, gut eingeschlämmt und zum Schluss lockere Erde rund um die Triebe angehäufelt. Das war Ende Oktober. Danach habe ich sie bis März in Ruhe gelassen.

Frederikkes Tipp

Bring die Rankhilfe an, bevor die Rose in der Erde steht. Ein Spalier an eine Mauer zu dübeln, während drei bedornte Triebe im Weg stehen, ist eine Erfahrung, die man genau einmal macht. Lass zwischen Spalier und Mauer ein paar Finger breit Luft, sonst staut sich die Feuchtigkeit hinter dem Laub, und schraube es lieber eine Nummer stabiler an, als du im ersten Jahr für nötig hältst. Eine ausgewachsene Kletterrose wiegt nach einem Regenguss erstaunlich viel.

Das erste Jahr: sie tat, als wäre nichts

Im April kamen die ersten roten Triebspitzen, im Juni hingen zwei Blüten an der Pflanze. Zwei. Ich hatte mit einer Wand gerechnet und bekam zwei Blüten und viel dünnes Grün, das in alle Richtungen zeigte. Das ist der Punkt, an dem die meisten Leute den Fehler machen, den ich fast auch gemacht hätte: nachdüngen, zurückschneiden, irgendetwas tun.

Im ersten Jahr baut eine wurzelnackte Rose unten, nicht oben. Sie schickt Wurzeln in die Tiefe, und was oben passiert, ist Nebensache. Ich habe in trockenen Wochen durchdringend gegossen, sonst nichts, und im Herbst hatte sie zwei neue lange Triebe aus der Basis geschoben. Die waren das eigentliche Ergebnis des ersten Jahres.

Das zweite Jahr: waagrecht binden, dann kommen die Blüten

Der Trick bei Kletterrosen ist unspektakulär und ändert alles: Binde die langen Triebe so waagrecht wie möglich. Steht ein Trieb senkrecht, blüht er oben an der Spitze und sonst nirgends. Legst du ihn quer, treiben aus fast jedem Blattansatz kurze Seitentriebe, und jeder davon trägt Blüten. Aus einem Trieb wird so eine ganze Blütenreihe.

Ich habe im zweiten Frühjahr die vier längsten Triebe fächerförmig ans Spalier gebunden, so flach es ging, mit weichem Bindematerial und einer Schlaufe, die nicht einschneidet. Im Juni war der untere Teil der Mauer zum ersten Mal wirklich grün und rosa statt grau. Geschnitten habe ich fast nichts, nur Abgestorbenes und einen Trieb, der stur nach vorn in den Weg wuchs.

Das dritte Jahr: die Mauer ist verschwunden

Im dritten Sommer musste ich nicht mehr erklären, was da wächst. Die Rose deckt die Fläche bis knapp unters Dach, sie blüht wiederholt bis in den Herbst, und der Schuppen, der vorher das hässlichste Ding im Garten war, ist jetzt der Platz, wo im Juni der Kaffee getrunken wird. Drei Jahre. Von einem Bündel Stöcke, das im Karton wie Brennholz aussah.

Wenn du heuer im Oktober oder November pflanzt, ist das genau der Weg, den du vor dir hast. Und das ist die gute Nachricht an dieser Geschichte: Es ist nicht schwierig. Es dauert nur länger, als man am Tag der Lieferung glauben möchte.


Welche Kletterrose an welche Mauer

Meine ist eine 'New Dawn', und ich würde sie wieder nehmen. Sie ist die verzeihendste Kletterrose, die ich kenne. Für andere Situationen gibt es passendere Sorten, hier die, mit denen ich selbst gute Erfahrungen gemacht habe.

Rose 'New Dawn'

Rose 'New Dawn' mit perlrosa halbgefüllten Blüten an einer Mauer

Weiches Hellrosa, halbgefüllt, in Dolden, und ein Duft, den man erst bemerkt, wenn man darunter steht. Entscheidend war für mich etwas anderes: Ihre Triebe sind biegsam genug, dass man sie ohne Bruch waagrecht binden kann, und sie kommt auch dort zurecht, wo nicht den ganzen Tag Sonne hinfällt.

📏 3–5 m bei Aufbindung · 🌷 Sommer bis Herbst · ☀️ Sonne bis leichter Halbschatten

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Rose 'Pierre de Ronsard®' (Eden Rose 85)

Rose 'Pierre de Ronsard' mit cremeweißen Blüten und rosafarbener Mitte

Große, schwere Blüten in Cremeweiß mit rosa Mitte, die sich langsam öffnen wie altmodische Gartenrosen. Ihr Wuchs ist kräftig und leicht bogig, was sie für Pergolen und Torbögen so passend macht.

📏 200–300 cm · 🌷 Sommer bis Herbst · ☀️ Sonne bis leichter Halbschatten

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Rose 'Guirlande d'Amour'

Rose 'Guirlande d'Amour' mit kleinen reinweißen Blüten in Dolden

Viele kleine weiße Blüten statt weniger großer, dazu ein leichter Duft. Ihr Wuchs ist zierlicher als der der anderen Kletterrosen, und genau deshalb setze ich sie an schmale Spaliere und Zäune, an denen eine schwere Sorte plump aussehen würde.

📏 200–300 cm · 🌷 Sommer bis Herbst · ☀️ Sonne bis leichter Halbschatten

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Rose 'Laguna'

Rose 'Laguna' mit großen gefüllten Blüten in klarem Pink

Wenn es schnell dicht werden soll, ist 'Laguna' die richtige Wahl: stark wachsend, mit großen gefüllten Blüten in klarem Pink, die von weitem zu sehen sind. Ihr kräftiger Wuchs schafft in kurzer Zeit eine üppige Deckung.

📏 200–300 cm · 🌷 Sommer bis Herbst · ☀️ Sonne bis leichter Halbschatten

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Rose 'Claire Austin™' (Ausprior)

Rose 'Claire Austin' mit cremeweißen, stark gefüllten Blüten

Die Sorte für die Mauer neben der Sitzbank. Cremeweiße bis elfenbeinfarbene Blüten mit einem starken Duft nach Myrrhe, Vanille und Wiesenschaumkraut, der abends am deutlichsten in der Luft hängt.

📏 3–4 m bei Aufbindung · 🌷 wiederholt durch den Sommer · ☀️ Sonne bis leichter Halbschatten

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Rose 'Strawberry Hill' (Ausrimini)

Rose 'Strawberry Hill' mit mittelgroßen gefüllten Blüten in klarem Rosa

Für eine niedrigere Wand oder einen Zaun, den du nicht vollständig zudecken willst. Mittelgroße gefüllte Blüten in klarem Rosa mit kräftigem Myrrheduft, an einem gesunden, aber überschaubaren Kletterer.

📏 2,5–3,5 m bei Aufbindung · 🌷 wiederholt durch den Sommer · ☀️ Sonne bis leichter Halbschatten

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Wenn du dieses Jahr pflanzt, mach dir eine Notiz für den Kalender: erstes Jahr Wurzeln, zweites Jahr binden, drittes Jahr Mauer. Dann fällt es leichter, im Juni des ersten Sommers nicht enttäuscht zu sein.

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